Hofers Vorfahren
Andreas Hofer war der Sohn des Josef Hofer und der in Matrei am Brenner als Tochter eines Metzgers geborenen Maria Aigentler. Bereits Andreas’ Vater, Groß- und Urgroßvater waren Wirte „am Sand“ bzw. „an der Goldenen Krone“ gewesen und hatten als Anwälte wichtige administrative Ämter in der Gerichtsverwaltung innegehabt. Das Passeiertal lag zwar abseits der großen Transitrouten über Reschen- und Brennerpass, trotzdem gab es einen regen Durchzugsverkehr, der vor allem dem Saumhandel über den Jaufen zu verdanken war und einen gewissen Ausgleich zur geographischen Geschlossenheit und Abgeschiedenheit des Tales darstellte.

Hofers Kindheit und Jugend
Andreas Hofer war das jüngste von sechs Kindern, darunter eine Stiefschwester, und der einzige Sohn des Josef Hofer. Seine Jugend war geprägt durch den frühen Tod der Mutter (1770), durch die Wiederverheiratung des Vaters mit Anna Frick (1772) sowie den ebenfalls frühen Tod des Vaters (1774). Die Erziehung der Kinder oblag somit Hofers ältester Schwester Anna und ihrem Mann Josef Griner (Grüner), der sich verpflichtet hatte, bis zur Volljährigkeit des männlichen Erben Andreas Hofer den Sandhof zu führen.

Hofers Bildung
Nach dem Besuch der Volksschule (1774 war von Maria Theresia die allgemeine Schulpflicht eingeführt worden), in der er die nötigsten Grundlagen im Schreiben, Lesen, Rechnen und im Katechismus vermittelt bekommen hatte, und (vermutlich) einigen Jahren als Dienstbote seines Schwagers am elterlichen Hof, wurde Andreas Hofer um ca. 1783/84 nach Welschtirol geschickt, um einerseits Erfahrungen für seinen späteren Beruf als Bauer und Wirt zu sammeln, andererseits aber um die zweite Landessprache, die Welschtiroler Mundart bzw. die lingua volgare italiana, zu erlernen. Er arbeitete zunächst als stalliere in Cles am Nonsberg, danach etwa drei Jahre lang in einem Gasthaus am Ballinopass, das an einer wichtigen Durchzugsroute lag.

Hofers Heirat und Familiengründung
Nach der Rückkehr in das Passeiertal übernahm Hofer nach der frühzeitigen Volljährigkeitserklärung im Jahr 1788 den Sandhof und heiratete 1798 die Bauerntochter Anna Gertraud Ladurner (27. Juli 1765–6. Dezember 1836) aus Algund, die ein Vermögen von 500 Gulden in die Ehe einbrachte. Mit ihr hatte Hofer sieben Kinder (Maria Gertraud *1792, Johann Stephan, Maria Kreszenz, Rosa Anna, Anna Gertraud, Gertraud Juliana und Kreszenz Margareth *1808), von denen fünf das Säuglings- bzw. Kleinkindalter überlebten.

Hofer, der Bauer und Wirt, Vieh- und Weinhändler
Andreas Hofer ging in erster Linie der Land- und Gastwirtschaft am Sand- bzw. Auflegerhof – ein Hinweis auf eine Stelle, an der die Saumpferde mit Waren beladen wurden – nach, wobei zu seinen Stammgästen weniger die Bauern aus St. Leonhard gehörten als vielmehr Durchreisende wie etwa die im Passeiertal zahlreichen Säumer und Kraxenträger. Aber auch andere „Berufsgruppen“ wie Geistliche und Studenten gehörten zur bevorzugten Klientel.
Andererseits aber war Hofer als Händler aktiv, wo er sich vor allem im Inntal auf den Wein- und Branntweinhandel, in Welschtirol auf den Pferdehandel spezialisiert hatte. Außerdem geht aus den Quellen hervor, Hofer habe Ochsen, Kühe und Schafe ge- und verkauft, vermutlich gehörte auch der Transport von Salz aus der Saline Hall ebenso wie der Holz- und Getreidehandel zu seinem Metier.
Der wirtschaftliche Erfolg Hofers und seiner Gewerbe hielt sich in Grenzen. Der Sandhof war von ihm 1788 bereits mit erheblichen Schulden übernommen wurden, zudem scheint er vor allem im Pferdehandel wenig Geschick besessen zu haben, da etwa Beda Weber diesem Erwerbszweig den Verlust großer Summen zuschreibt. Hinzu kam, dass der Sandhof ständig großer Überflutungsgefahr ausgesetzt war: 1772 gab es eine verheerende Überschwemmung, die den Wirtschaftsgebäuden, vor allem aber den Äckern und Wiesen erheblichen Schaden zufügte, ähnliche Katastrophen sind auch für die nachfolgenden Jahre belegt.
In der Zeit der bayerischen Regierung in Tirol ab 1805 verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation des ganzen Landes, was natürlich die Wirte und Händler besonders zu spüren bekamen. Hierin ist ein wichtiger Faktor für den Ausbruch des Tiroler Aufstandes von 1809 zu sehen, befanden sich doch unter den Anführern der Insurrektion zahlreiche Wirte und Handelstreibende.Hofer, der „Politiker“
Schließlich ist Hofers Funktion als Schützenleutnant vom Schießstand Passeier von Interesse, welche ihm – nicht zuletzt auch durch den Einsatz seiner Saumpferde für den Warentransport in die Militärlager – im Rahmen einer raschen Karriere zuerst zur Position eines Schützenhauptmanns und schließlich 1809 zum „Oberkommandanten“ von ganz Tirol verhalf. Bis zum „Landesregenten“ – dieses Amt bekleidete Hofer interimistisch im Sommer/Herbst 1809 – war es folglich nur ein kleiner Schritt. Warum gerade Hofer von seinen Mitstreitern für diese Rolle vorgeschlagen und von der Obrigkeit in der hohen Position bestätigt wurde, ist noch nicht völlig geklärt. Jedenfalls hatten sich die „politischen“ Aktivitäten Hofers in der Zeit vor 1809 in Grenzen gehalten, die immer wieder zitierte Teilnahme am offenen Landtag von 1790 in Innsbruck kann durch die Akten nicht belegt werden. Allerdings hat sich Hofer sehr wohl öfters als herausragende Persönlichkeit des Tales hervorgetan, wenn es etwa darum ging, althergebrachte Rechte der Passeirer Bauern bzw. Säumer einer Obrigkeit gegenüber zu vertreten. Als Gerichtsanwalt aber scheint er im Gegensatz zu seinen Vorfahren nicht auf.

Hofer, der „Missbrauchte“
Das Studium der Quellen führt zur Vermutung, dass Hofer sich 1809 nicht aus eigener Kraft emporgearbeitet habe, sondern vielmehr ob seiner Schwäche und Gutgläubigkeit von seiner Umgebung missbraucht wurde und deshalb ganz dem Bild des Märtyrers und „Antihelden“ gerecht wird, das die neuere Forschung wie ein roter Faden durchzieht. Mit der großen Verantwortung, die er als „Oberkommandant“ zu tragen hatte, war er zweifelsohne überfordert. So wie ihm Hormayr bereits 1817 eine „gänzliche Unschuld an den großen Erfolgen des Jahres 1809“ konstatiert hat, muss ihm ebenso eine weitgehende Unschuld an den daran anschließenden Misserfolgen zugestanden werden; Hofer war weder der glorreiche Feldherr, der die Tiroler zum Sieg geführt hat, noch war er derjenige, der das Land ins Unglück gestürzt hat – er war Bauer und Gastwirt, Hausherr und Familienvater. Das Ausbrechen aus dieser gewohnten Rolle führte zunächst zur psychischen Destabilisierung, bis er sich selber die Schuld für die Misere des Landes am Ende von „Anno neun“ zuschrieb. Als letzte Konsequenz dieser Unsicherheit, die sich vor allem im Schwanken zwischen Friedenswillen und neuerlichem Aufgebot zeigte, das nicht zuletzt durch fragwürdige „Berater“ in Hofers Umfeld zu erklären ist, schlug er alle Angebote aus, nach Österreich zu fliehen. Bis zuletzt auf militärische Hilfe durch das Haus Österreich oder gar übernatürliche Unterstützung durch himmlische Mächte hoffend wurde er im Jänner 1810 zusammen mit einem seiner Schreiber (Kajetan Sweth), Anna Ladurner und seinem Sohn Johann auf der Pfandleralm verhaftet und am 20. Februar in Mantua auf direkten Befehl Napoleons hin standrechtlich erschossen