Das Entstehen unserer Fahne (vom 25.05.2010)

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Symbolik der Fahne

Symbolik der Alt Tyroler Schützen – Fahne
Einleitung:
Die Fahne, das Banner, ist als Stammes- oder Feldzeichen im Morgen-land seit dem frühen Altertum bekannt. Der Verlust einer Fahne bedeutet meist auch den Verlust der Führung bis hin zur Niederlage. Die Besitznahme eines fremden Feldzeichens hingegen galt als Zeichen des Sieges über ein Heer, meist verbunden mit der Landnahme. Unsere Fahne ist nicht nur ein Symbol für Tirol als Ganzes, sie ist der Stolz der Kompanie. Die geweihte Kompaniefahne gibt dem Schützen Halt und Orientierung. Sie signalisiert nach außen Stärke, Geschlossenheit und Kameradschaftlichkeit.
Die Fahne der Alt Tyroler Schützen steht für Tirol als Ganzes und steht daher für alle drei Volksgruppen, sie bekräftigt nicht nur optisch Heimatverbundenheit und Gott-glauben. Dieses Banner steht für das Gemeinsame, Größere und Erhabene. Unsere Schützen kennen die Symbole dieser Fahne und jeder von ihnen hat auf dieses geweihte Tuch seinen freien Schwur geleistet!

Anhand der nachfolgenden Beschreibung soll dem Betrachter unseres „Banners„ Symbolik, Material und Verarbeitung näher gebracht werden.
Unsere Fahne hat ein Maß von 1,80 m in der Länge und 1,35 m in der Breite und ist an einer 2,90 m hohen (auseinandernehmbaren) Fahnenstange durch ein Fahnen-band in den kaiserlichen-habsburgischen Farben (gelb-schwarz) mit Nägeln fixiert. Das Gewicht der Fahne liegt bei rd. 10 kg (!). Die Fahnenstange wird am Ende von einer einfachen ca. 20 cm hohen vergoldeten Spitze gekrönt.

Vorderseite der Fahne:
Die Hauptfarben der Vorderseite sind in grün-weiß-grün (Längstreifen), also in den alten Schützenfarben von Tirol gehalten. In der Mitte befindet sich der rote Tiroler Adler mit goldener Krone und goldenen Flügelspangen. Der rote Aar wird mit scharfen Blick, ausgeprägten, kräftigen Schnabel und starken Klauen dargestellt. Er erscheint sehr schlank, fast schon mager, wirkt aber dadurch jung und dynamisch. Als Vorlage für unseren Adler diente der so genannte rote „Schwazer Adler„ aus dem Jahre 1511, der sich auf der Bundesstandarte der (Nord-) Tiroler Schützenkompanien wiederfindet. Schwaz war zu jener Zeit die Schatzkam-mer des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Im Mittelalter war Schwaz die Mutter des Silberbergbaus. Schwaz in Tirol war mit seinen 30.000 Einwohnern eine der größten Siedlungen Europas. Für Fugger und Habsburger war Schwaz nicht ersetzbar! Der „Schwazer Adler„ wurde mit Ausnahme der Augenpartie (wir haben sie kräftiger und jugendlicher gemacht) komplett übernommen und im Gegensatz zur Bundesstandarte nicht mit Öl aufgemalt, sondern mit viel Liebe zum Detail von Hand und teils maschinell aufgestickt. Neben der Bundesstandarte hebt sich die Fahne der >Alt Tyroler Schützen - Andreas Hofer< somit durch diesen Adler von allen anderen Tiroler Schützenfahnen deutlich ab. Jeweils an den Ecken links und rechts oben, sowie unten links und rechts befinden sich als Abschluss mit Goldfäden bestickte Lorbeerblätter mit roten Lorbeeren. Wir haben uns aus Rücksichtnahme gegenüber den romanischen Sprachgruppen anstatt dem „deutsch-germanischen„ Eichenlaub für das Lorbeerblatt entschieden. Beim Lorbeerblatt stand weniger die mythische vorchristlich- romanische Symbolik im Vordergrund, sondern vor allem das in der Volkskunde verbreitete Wissen um dessen Heilwirkung (Lorbeer wirkt u.a. anti-bakteriell, kräftigend, usw.). Das Lorbeerblatt steht als für den Sieg über die Krank-heit, für die Heilung der schmerzlichen Trennung Tirols. Anstatt den erst später aufkommenden Goldfransen haben wir uns entschlossen, den historischen richtigen Weg zu gehen und haben das Fahnentuch an den Enden eingefasst, wobei wir zu einem verstärkten goldenen Einfassband griffen. Ähnlich wie bei Fahnen des ausgehenden Mittelalters und Anfang der Neuzeit üblich, haben wir die Hauptfahne sehr aufwändig mit 36 vergoldeten Nägeln an der 2,90 m langen Fahnenstange befestigt.


Rückseite: Die Hauptfarben der Rückseite der Fahne bilden die Tiroler Landes-farben weiß-rot. Zentriert befindet sich das blutende und mit Dornen versehene „Herz Jesu„, ein zutiefst christlich-tirolerisches Symbol. Das „Herz Jesu„ erinnert den Schützen und den Betrachter an die tiefe Verbundenheit Tirols zum Gottglauben und vor allem an den Schwur der Tiroler Landesstände von 1796. Das „Herz Jesus„ ist an den Seiten mit silberner Strickerei versehen und wird durch eine aus dem Herzen auflodernde Flamme und dem aufrecht stehenden Kreuz (Symbol des Leidens und Auferstehung Christi und Wegweiser der Christmenschen) gekrönt. Von der Mitte des „Herz Jesus„ ausgehend, führen goldene Strahlen nach außen hin und enden an den alten Grenzen der Gefürsteten Grafschaft Tirol. Der Name der „Alt Tyroler Schützen„ bezieht sich auf das kaiserlich-habsburgische Tirol, einem Land mit drei Sprachen und einer Identität, dass bist 1919 über Jahrhunderte hinweg eine soziale, kulturelle und politische Einheit bildete. Diese verlorengegangene Einheit wollen wir mit friedlichen und demokratischen Mittel wieder herstellen. Die mit goldbestickten Fäden ausgestrahlte Landesfläche Tirols wird außen mehrfach von dem Wort „Freiheit„, das dreifach und leicht bogenförmig ausgerichtet ist, begrenzt. Oberhalb findet sich das deutsche Wort für „Freiheit„ unterhalb (südöstlich) im Bogen nach oben (nördlich) das italienische „Libertà„ und gleich daneben (auch in geograph-ischer Nähe zum ladinischen Sprachgebiet) in Ladin „Lidëza„! Das Wort „Freiheit„ ist zwar selbsterklärend; wir Schützen betonen aber, dass wir auf friedlichen Strukturen aufbauen, wir sehen die Zukunft Tirols in Frieden, Freiheit und Einheit! Die Verwen-dung und Anordnung des Wortes „Freiheit„ selbst soll sowohl dem einzelnen Schützen als auch dem Betrachter vor Augen führen, dass sich unsere drei gewachsenen Sprachgruppen in der Bezeichnung „Tiroler„ wiederfinden. An den äußeren Ecken der Rückseite finden sich mit dem Wappenboden zentrisch zur Fahnenmitte angeordnet vier heraldische Symbole, die nachfolgend beschrieben werden:
Oben links: Der gekörnte „Schwarze Adler„ des Römischen (Deutschen) Königs wird oben links in Wappenform dargestellt. Das Wappen ist auch ein Hinweis dafür, dass es ursprünglich vor der Annahme des Kaisertitels gefertigt wurde. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation „erlosch„ formell am 6. August 1806 durch eine Erklärung von Franz II. Der Habsburger-Kaiser gab einerseits dem Druck seines französischen Feindes und der mit ihm verbündeten, abtrünnigen reichsdeutschen Fürsten nach. Franz hatte jedoch aufgrund der politischen- und militärischen Situation bereits 1804 das „Kaiserthum Österreich„ proklamiert.
Oben rechts: Binnenschild (der Babenberger) mit den auch heute noch gültigen Staatsfarben Österreichs. Rot-weiß-rot erinnert an das gemeinsame Vater- und Mutterland Österreich und an die großen und edlen Geschlechter der Babenberger und Habsburger. Im Jahre 1363, also 6 Jahre vor ihrem Tod († 3. Okt.1369) übertrug Margarete („Maultasch„) von Tirol (- Görz) das eigentliche Tirol ihrem nächsten Verwandten Rudolf IV. von Habsburg und somit an Österreich.
Unten links: Das Wappen von Trient und Welsch-Tirol: der gekrönte, aufschauende schwarze Adler. Welsch-Tirol ist ebenso ein unverrückbarer, unverzichtbarer Teil des alten Tirols, es war und ist die Brücke zwischen römisch-italienischer und germanisch-deutscher Kultur. Für einen italienischsprachigen Tiroler gilt: „Sono un Tirolese con madria lingua italiana!„
Unten rechts: Blau-weiß-grün sind die Farben unserer Tiroler mit Ladin als Mutter-sprache. Diese Farben aus den Dolomiten haben wir in Form eines Wappen-schildes gefasst. Die Rätoromanen, die Ladiner, sind die „eigentliche Urbevölkerung„ Tirols, sie waren bereits in unserer heutigen Heimat sesshaft bevor vor über 1.500 Jahren die westgermanischen Bajuwaren (Baiern) und letztendlich die deutsche Kultur im „Land im Gebirge„ heimisch wurde. Der kleinen ladinischsprachigen Tiroler Volksgruppe gehört unsere besondere Zuneigung.

Herstellung und Verarbeitung:
Unsere Fahne weist durchwegs heraldische Sym-bole aus dem Ende des 15. Jahrhunderts und des frühen 16. Jahrhunderts auf. Auch Form, Verarbeitung und Tragweise unserer Fahne haben wir diesem Zeitraum angepasst. Nachdem wir Tirol und Österreich auch zu leben versuchen, haben wir uns für (Süd-) Tiroler bzw. österreichische Ware und Unternehmen entschieden. Dies traf nicht nur auf unser e Ausrüstung und Tracht zu, wir haben dies natürlich bei unserer Fahne einfließen lassen. Unser Banner wurde von einem traditionsreichen, wegen seiner ausgezeichneten Qualität bekannten Unternehmen in Mittersill im Pinzgau angefertigt. Einheimische Fachkräfte haben unter Verwendung von edlen Materialen wie Gold- und Silberfäden, Fahnenrips (ein hochwertiges und wider-standsfähiges Gemisch aus Baumwolle und Seide) und in liebevoller detailgetreuer und aufwändiger Weise unsere Fahne zu einem wahren Kunstwerkt gemacht.
An der Motiv- und Symbolfindung, also am eigentlichen Entwurf unserer Fahnen waren beteiligt: MAS Alois Wechselberger (Stumm), Hans Moser (Alpbach), Dr.
Angelika Neuner-Rizzoli (Mötz), Ing. Walter Friedrich Schwaiger (Wattens), Emanuel Gasteiger (Sterzing), Michael Santner (Mittersill), Markus Prantl (St. Johann i.T.) und Marko Kranebitter (Scharnitz).
Wir bedanken uns für die freundliche und fachkundige Unterstützung beim Tiroler Volkskundemuseum in Innsbruck, namentlich bei Frau Direktor Dr. Herline Menardi.